Ein herrlicher frischer Morgen. Frühstück mit den Tieren und 1,5 Wochen Urlaub.🙂🦋 Der Frühling steht (bald) vor der Tür – es ist temoirär so dermaßen viel zu tun, dass das nur im Urlaub geht. Heute werden 80 Tonnen Lehm zu verschiedenen Feuchtbiotop-Baustellen geliefert, wertvolle Wasserquellen entstehen hier im Meller Stadtteil Oldendorf. Die Storchenkörbe wollen gewartet werden, einige Pflanzaktionen stehen noch an.
 
Die nächste Woche steht (fast) komplett im Zeichen des Insektenschutzes. Etliche Wiesen sind unbedingt noch auszumagern, die Uhr tickt…ansonsten reduziert sich die Artenvielfalt dort. Und im Februar werden die Streuopbstwiesenbäume beschnitten. Vielen Dank an Kerstin Feldhaus, die dafür ihre Unterstützung angeboten hat. 😊
 
Ein tolles Buch ist geliefert worden, niegelnagelneu. „Insektensterben in Mitteleuropa: Ursachen und Gegenmaßnahmen“, veröffentlicht im Sommer 2021. Hochgradig spannend und sehr objektiv wissenschaftlich. Basierend auf vielen vielen Studien werden die Gründe klar benannt: Lichtverschmutzung, Versiegelung von Flächen, Zersiedelung, Stickoxide in der Luft (als Ergebnis unseres Verkehrsverhalten), die dann abregnen und Böden zu nährstoffreich werden lassen, klinisch-sterile Privatgärten, die Folgen der intensiven Landwirtschaft und und und…
 
Im Interview auf Spektrum.de äussert Eckhard Hedicke, einer der Autoren, zu den Auswirkungen: „Mittlerweile sind nicht nur die Spezialisten, sondern zunehmend auch Generalisten gefährdet, die eigentlich in vielen unterschiedlichen Lebensräumen zurechtkommen. Das ist ein starkes Warnsignal für den Zustand der Natur und Landschaft insgesamt, denn das Insektensterben ist ein flächendeckendes Phänomen.“
 
Sehr angenehm in dem Buch ist, dass keine verkürzte Schuldzuweisungen ausgeführt werden, sondern „das große Ganze“ gesehen wird. Zweifelsfrei ist zwar klar, dass auch das aktuelle System der Landwirtschaft eine massive Ursache des Artensterbens ist, einzelnen Landwirten aber die Schuld zuzuweisen, wäre jedoch falsch und fatal und überhaupt nicht angemessen (lieber dann das eigene Handlungs- (!!!), Kauf- und Konsumverhalten hinterfragen):
 
Im Interview steht: „Kurz gesagt, die Landwirte sind schuld am Insektensterben? Nein, das würde ich so pauschal nicht sagen! In der Landwirtschaft war der Landnutzungswandel in den vergangenen Jahrzehnten besonders stark. Das hat massiv negative Wirkungen auf die Biodiversität, Wasserqualität und Böden. Aber die Landwirte sind ja Teil eines Systems, das darauf angelegt ist, immer mehr Lebensmittel zu einem möglichst niedrigen Preis zu produzieren. Niemand bezahlt die Landwirte für das Erzeugen von Biodiversität. Auch deshalb ist es um die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft so schlecht bestellt. Mit dem Finger auf die Landwirte zu zeigen und zu sagen »Ihr seid die Bösen«, ist jedenfalls der falsche Weg. Wir müssen das Landwirtschafts- und Ernährungssystem insgesamt verändern und dabei die Produzierenden so mitnehmen, dass sie auskömmlich arbeiten können.“
 
Sehr bitter ist: Die EU-Agrarpolitik (GAP) trägt, genauso wie das Kauf- und Konsumcverhalten von uns allen („Geiz ist geil!“) massiv dazu bei, dass das Insektensterben fortschreiten wird. Erst ab 2028 (!) kann hier eine neue Förderperiode eingeleitet werden.
 
Zitat: „Kann das Insektensterben mit derzeitigen Fördersystem der EU gestoppt werden? Nein, mit den derzeitigen Strukturen ist das nicht möglich. Es stehen zwar Fördermittel für Agrarumweltmaßnahmen zur Verfügung, diese Ansätze reichen allerdings bei Weitem nicht aus.“
 
Und auch zu beachten ist: Die Aufgrund unseres Konsums entstandene Tierhaltung ist sowohl ein Teil des Problems als auch ein Teil der Lösung: „Mit welchen Maßnahmen könnte man dem Insektensterben entgegenwirken? Die Verbraucher sind dabei gefragt. Wir sollten unseren Fleischkonsum dringend überdenken: Weil die Tierbestände viel zu hoch sind, landet zu viel Stickstoff in Form von Gülle auf den Feldern. Auf den überdüngten Flächen finden sich dann kaum noch Insekten. Um die vielen Tiere ernähren zu können und den Fleischertrag zu maximieren, wird in hohem Maß Soja aus Südamerika importiert, das häufig an Stelle gerodeter Regenwälder angebaut wird. Die damit importierten Nährstoffe aber bleiben bei uns im Land. In Ihrem Buch plädieren Sie auch für eine stärkere Förderung von Weidetieren. Ist das nicht ein Widerspruch? Die meisten Tiere in der EU werden im Stall bis zur Schlachtreife gemästet und sehen ihr Leben lang keine Weide. Die zusätzlichen Nährstoffe landen als Gülle trotzdem auf den Flächen, mit den bekannten negativen Auswirkungen. Rinder und andere Tiere, die extensiv gehalten werden, sind da etwas ganz anderes. Jedes Tier in der Landschaft ist gut, weil es für mehr Strukturen sorgt: Es entstehen Trampelpfade und unterschiedlich stark genutzte Flächen. An manchen Stellen ist die Vegetation kurz gefressen wie ein Golfrasen. An anderen Stellen, die den Tieren geschmacklich nicht so zusagen, kann die Vegetation höher wachsen. Die Tiere transportieren Pflanzensamen ebenso wie Insekten über größere Entfernungen. Die Weidetiere können zumindest ein wenig unsere artenreiche Urlandschaft mit großen Pflanzenfressern wie Auerochsen, Wisenten, Waldelefanten und Wollnashörnern ersetzen. Also wenn Fleisch, dann bitte aus extensiver Weidehaltung – auch als ein Beitrag zum Klimaschutz.“
 
Und auch auf Teile der (EU)-Politik wird eingegangen: „Hat die Politik das Ausmaß des Problems Insektensterben erkannt? Es geht ja nicht darum, dass vielleicht zwei oder drei von mehr als 30 000 Arten verschwinden. Wenn 40 Prozent der Spezies betroffen sind und die gesamte Insektenbiomasse auf einen Bruchteil ihrer früheren Größe zusammengeschrumpft ist, dann ist das katastrophal. Es gibt viele Arten, die eine wichtige Rolle bei der Bestäubung von Nutzpflanzen spielen oder Schädlinge fressen. Wenn diese Arten ausfallen, gehen die Erträge zurück und der Einsatz von Insektiziden steigt. Außerdem sind Insekten wichtiger Bestandteil von langen Nahrungsketten. Ohne die große Biomasse können – wie wir es aktuell schon sehen – viele Vogelarten ihren Nachwuchs nicht mehr ernähren. Kurz: Die Politik hat die Dramatik des Insektensterbens noch nicht erkannt. Sonst würde sie viel größere Anstrengungen unternehmen, um gegenzusteuern. Wissenschaft und Naturschutzpraxis kennen die nötigen Lösungen. Wir müssen sie nur viel besser kommunizieren.“
 
Was jedoch viel viel viel Mut macht. Es werden immer mehr Menschen, die sich engagieren. Insbesondere aus der Landwirtschaft kommen hier verstärkt Anregungen und Angebote, etwas gemeinsam für den Insektenschutz, allgemein den Artenschutz oder den Klimaschutz zu leisten. Das ist stark!!!😊👍👍👍 Wichtig ist es (unbedingt wichtig!) gesellschaftlich und individuell dafür auch „aus der Tasche zu kommen“. Wenn Landwirte Flächen für Naturschutz bereitstellen oder aber Maßnahmen ergreifen, die zu Ernteeinbussen führen, dann müssen diese Angebote bezahlt/unterstützt werden – von der Gesellschaft – und somit von uns allen! Der Nutzen betrifft ja auch uns alle. Egal ob für den Klimaschutz oder den Artenschutz. Auch hier wird es im Laufe des Jahres einige gemeinsame Projekte geben, wir freuen uns sehr darauf :-).🚜🚜
 
Zu spät ist es noch nicht. Nächste Woche werden wieder einige Tonnen Biomasse abgeharkt, wäre doch gelacht, wenn wir es nicht schaffen, Refugien für die kleinen Krabbel- und Flattertiere zu schaffen.
 
500 AKA – 500 Menschen aktiv für Klima- und Artenschutz in Stadt und Landkreis Osnabrück Gemeinsam den Planeten retten. Wir alle. Lokal und regional. https://500-aktiv-fuer-klima-und-artenschutz.de/ Spenden: https://www.betterplace.org/de/projects/75774-landkreis-osnabrueck-500-menschen-im-einsatz-fuer-klima-und-artenschutz